Der fünfte Include-Talk fand im Rahmen der Vienna Design Week statt. Die Diskussion widmete sich der Bedeutung von Sprache und Gestaltung für eine gelungene Inklusion – und damit dem Zusammenhang von persönlichem Beitrag und gesetzlichen Maßnahmen für eine gleichwertige Teilhabe & Representation von allen Menschen.

Der Diskussion ging eine Lesung von Thomas Edlinger voran, der aus dem gemeinsam mit Matthias Dusini geschriebenen Essay “In Anführungszeichen. Glanz und Elend der Political Correctness” las. Über die Entstehung des Begriffes in der Bürger_innenrechtsbewegung der USA ging es bald zur Frage, wie das “positiv” besetzte Inclusive Design mit der oft problematisierten Political Correctness zusammenhängt. Veronika Egger sieht den Konnex im krampfhaften Umgang, wie mit Minderheiten umgegangen wird.

Foto von Lesung
© Kollektiv Fischka

Während Inclusive Design durch seine gesetzliche Verankerung mittlerweile eine gestalterische Notwendigkeit darstellt, involviert sich Political Correctness in den persönlichen & sprachlichen Umgang mit “problematischen Themen”. In diesem Kontext stellten Oliver Kartak, Veronika Egger und Thomas Edlinger gemeinsam mit Erwin K. Bauer fest, dass der Diskurs über Minderheiten oft eine Verunsicherung hervorruft. Wichtig dabei: Wer sagt was in welchem Kontext? Was für die einen unkorrekt erscheint, ist für andere im Sinne des Empowerments wiederum wichtig.

Publikum beim Include Talk
© Kollektiv Fischka

Das Gespräch schloss mit dem affirmativen Gedanken, dass selbst durch Verfehlungen oftmals positive Veränderung möglich ist – in dem der Zweifel über Dinge explizit mitkommuniziert wird. Dieser positive Störfaktor könne wiederum ein souveränes – sprachliches, gestalterisches, wie persönliches – Handeln auf unsicherem Terrain ermöglichen.

Den Live-Mitschnitt der Diskussionrunde gibt es hier zum Nachhören!

Include Talk No. 5

8. Oktober 2016


Political Correctness im Design

Im Rahmen des Vienna Design Week Symposiums
The New Classic – The Evolution Of Communication Design
Festivalzentrale – Schlossgasse 14, 1050 Wien
16.30 – 18 Uhr

Inclusive Design hilft allen Menschen gleichwertiger Teil der Gesellschaft zu sein. Die Idee des demokratischen Designs manifestierte sich bereits in der funktionalistischen Produktgestaltung der 1950er- und 1960er-Jahre – noch ohne die Maxime des politisch korrekten Handelns. Heute empfinden wir Political Correctness in extremer Form mitunter als Forderung, deren Umsetzung oft nicht praktikabel ist. Der ursprünglich positiv motivierte Anspruch generiert in der Praxis nicht selten wieder Ungleichgewicht.

Welche Folgen hat es, wenn wir kosequent allen Menschen Zugang zu Raum, Information und Services ermöglichen? Ist gute Gestaltung mit formalem Anspruch dann noch möglich? Wie könnte die Gesellschaft entspannter mit der Forderung nach Gleichberechtigung umgehen?

Der Include-Talk No. 5 findet im Rahmen des Vienna Design Week Symposiums “The New Classic” statt. Nähere Infos zu allen Teilen des Symposiums finden sich im Programm!

Programm Include Talk No. 5

Lesung
Matthias Dusini & Thomas Edlinger In Anführungszeichen – Glanz und Elend der Political Correctness

Diskussion
Matthias Dusini
Thomas Edlinger
Veronika Egger
Oliver Kartak

Moderation
Erwin K. Bauer

 

Unterstützung für eine barrierefreie Teilnahme
Wir bitten InteressentInnen sich unter Angabe ihrer individuellen Bedürfnisse unter office@include-initiative.org anzumelden!

 

Die ExpertInnen

Porträtfoto Edlinger & Dusini

Matthias Dusini Kunstkritiker Falter, Autor & Thomas Edlinger Radiomacher (FM4, Ö1), freier Kulturjournalist, Autor

Porträtfoto Veronika Egger

Veronika Egger Informationsdesignerin, Access Consultant und Mitbe­grün­derin von „design for all“ in Österreich

Porträtfoto Oliver Kartak

Oliver Kartak Professor für Grafik Design, Universität für Angewandte Kunst Wien, Klasse für Grafik Design 

Mobiltelefone & Mobilität: zwei Themen, die mittlerweile immer mehr Zusammenstöße generieren – auch im wortwörtlichen Sinn. Spätestens seit dem aktuellen Pokémon Go-Hype schauen immer mehr Menschen auf ihr Handy statt auf die Straße. Erste gestalterische Ansätze wollen helfen, Unfälle zu vermeiden.

Allgemein gehen wir davon aus, dass im Straßenverkehr Achtsamkeit & empathisches Vorausdenken selbstverständlich ist. Jedoch fordert der mittlerweile ebenso selbstverständliche Blick auf Mobiltelefone Veränderung in der Verkehrsplanung und der Gestaltung von öffentlichen Leitsystemen. An mehreren Orten wird an Lösungen gearbeitet, eine simple und beinahe humorvolle davon findet sich in Chongqing, China.

Zweigeteilster Gehsteig mit eigener Seite für Menschen die ihr Telefon nutzen

Auch in Augsburg werden an ausgewählten, verkehrsintensiven Standorten erste Konsequenzen aus der Häufung von Unfällen gezogen. Fußgänger_innen werden durch in den Boden integrierte Lampen darauf hingewiesen, ob eine Straße gequert werden kann – und damit in ihrer persönlichen Verantwortung unterstützt.

Frau mit Handy in der Hand blickt auf Straße mit integrierten Leuchtpunkten

Einen Schritt weiter geht Melbourne, wo das Designstudio Büro North ein Smart Tactile Paving entwickelt hat. Ähnlich einer Verkehrsampel signalisiert ein Farbsystem “Stop” & “Go” – dabei richten sich die im Boden eingelassenen Lichtlinien vor allem an Menschen mit Blick nach unten.

Büro North formuliert mit dem Projekt ihren zukunftsgestaltenden Zugang zu Design: “Rather than attempting to modify behavior by legislation or punitive laws that will ultimately prove futile, we want to make cities safer by design”. Den Blick manchmal zu heben und visionär über den Horizont zu schauen, lohnt sich also doch – auch um mehr reale Interaktionen zu generieren, als Augmented Realities es vorgeben zu tun.

Das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. ist nicht nur für die Formulierung und Ausgabe von Normen zuständig – sondern bietet Weiterbildungsmaßnahmen in Form von Seminaren, Workshops und Tagungen. Quasi direkt an der Quelle von Information – auch im Fachgebiet Barrierefreiheit!

DI Rainer Stadlbauer – einer der Architekten aus dem Team des buero bauer – hat kürzlich den Lehrgang für barrierefreies Bauen in Berlin erfolgreich absolviert. Damit ergänzt er die Expertise des Büros auf inhaltlicher Ebene noch weiter. Alle zukünftigen Projekte des buero bauer im Bereich Inclusive Orientation Design werden durch das Zertifikat DIN-geprüft professionell abgewickelt.

Bild Rainer Stadlbauer

Barrierefreiheit ist ein Arbeitsauftrag, den das buero bauer aber nicht erst mit dem Inkrafttreten des Bundes-Gleichstellungsgesetzes am 1.1.2016 in jedes Orientierungsprojekt selbstverständlich integriert. Die langjährige Expertise des Büros lässt sich in vielen bisherigen Projekten, wie dem Campus WU, anschaulich ablesen – und auf der Website auch nachlesen.

Im vierten Include-Talk diskutierten Constanze Langer, Martin Fössleitner und Florian Leiler gemeinsam mit Erwin K. Bauer über die Bereitstellung von Information an der Schnittstelle von analogem zu digitalem Raum.

Immer selbstverständlicher bewegen wir uns in physischen und digitalen Räumen, benutzen Devices zur Orientierung im realen Umfeld und verlagern soziale Interaktion zunehmend in die digitale Welt. Intuitiver Medienwechsel und selbstständige Navigation sind dabei Grundsatz des fairen Zugangs zu Räumen. Florian Leiler berichtete im Intro von einem aktuellem Projekt der Firma indoo.rs , die sich auf digitale Navigationslösungen im Innenraum spezialisiert hat. Am Flughafen San Francisco findet ihre Technologie Einsatz, die Menschen beim Zurechtfinden im Raum und beim Finden von bestimmten Zielpunkten bis auf 2m Genauigkeit Hilfe leistet. Dabei werden alle verfügbaren Sensoren auf mobilen Geräten mit verschiedenen Funksignalen kombiniert. Einen Kurzeinblick in das Projekt gibt folgendes Video.

Constanze Langer, Professorin für Interface-Design an der FH Potsdam sprach sich gegen die Bevormundung durch digitale Information aus. Diese solle zwar selbstverständlichen allen Menschen – egal mit welchem Hintergrund – zur Verfügung stehen, besonders dabei können neue Technologien hilfreich sein. Sie sieht jedoch die Gefahr, nur noch Content vorkuratiert serviert zu bekommen und nicht mehr selbst zu entdecken – oder beispielsweise in einer sozialen Interaktion von einer guten Adresse für Kaffee erzählt zu bekommen.

Informationsdesigner Martin Fössleitner von der High-Performance Gesellschaft plädierte für Geduld im Umgang mit neuen Technologien – sie seien immer schon als Bedrohung des sozialen Miteinanders aufgefasst worden, von Zeitung bis iPod. Ihr Gebrauch würde sich immer mit der Zeit naturalisieren und die humane Ebene von Informationsaustausch dennoch nicht verloren gehen. Wichtig ist ihm dabei die Balance zwischen Mensch und Maschine – und der klare Absender des Angebots oder einer Information.

In der anschließenden Diskussion wurde dabei die Notwendigkeit von guter Kommunikation hervorgehoben: diese  berücksichtigt alle räumlichen Dimensionen und stellt die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt von technischer Entwicklung und Gestaltung. Die Schnittstelle, an der zwischen analogen und digitalen Medien gewechselt wird, stellt dabei die größten Herausforderungen. Schlussendlich muss nahtlose Information gewährleistet sein, um selbst entscheiden zu können, wie viel davon in Anspruch genommen wird.

Den Talk gibt es hier exklusiv zum Nachhören!

Include Talk No. 4

24. Juni 2016
Einladungsbild: Hand mit Handy

Orientierung in digitalen Räumen

 in der Alpenmilchzentrale
Weyringergasse 36, 1040 Wien,
ab 18.30 Uhr

Immer selbstverständlicher bewegen wir uns in physischen und digitalen Räumen, benutzen Devices zur Orientierung im realen Umfeld und verlagern soziale Interaktion zunehmend in die digitale Welt. Ist die wahre Integrationsaufgabe unserer Zeit vor allem eine technologisch-mediale?
Intuitiver Medienwechsel und selbstständige Navigation sind dabei Grundsatz des fairen Zugangs zu Räumen. Gute Kommunikation berücksichtigt alle räumlichen Dimensionen und stellt die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt von technischer Entwicklung und Gestaltung.

Wie wirken physischer, digitaler und sozialer Raum zusammen?
Welche Herausforderungen bringt die Schnittstelle Mensch / Maschine mit sich?
Kann die digitale Welt die physische Welt ersetzen?
Wie kann technische Innovation den fairen Zugang zu Information & Raum verbessern und so zur Inklusion beitragen?

Es diskutieren:
Constanze Langer
Florian Leiler
Martin Fössleitner

Moderation
Erwin K. Bauer

Im Anschluss freuen wir uns auf weitere Gespräche bei Wein und Snacks!

Anmeldung unter office@include-initiative.org

Die ExpertInnen

Porträtfoto Martin Fössleitner

Martin Fössleitner Geschäftsführer
High-Performance Gesellschaft für angewandtes Informationsdesign, Wien

Sein Arbeitsscherpunkt liegt auf Informationsdesign, mit Fokus auf Project Branding, Netzwerkentwicklung, Community Building und Innovationsprozesse durch Design.

Porträtfoto Constanze Langer

Constanze Langer Professorin für Visual Interface Design,
FH Potsdam

Ihre Forschungsschwerpunkte sind kollaborative Softwareumgebungen sowie emotionale und crossmediale Mensch-Maschine-Schnittstellen.

Florian Leiler Head of Sales
indoo.rs, Wien & San Francisco

indoors ist einer der international führenden Entwickler und Anbieter von digitalen Navigationslösungen für Innenräume. Aktuelle Projekte beschäftigen sich verstärkt mit inklusiven Lösungen.