Der fünfte Include-Talk fand im Rahmen der Vienna Design Week statt. Die Diskussion widmete sich der Bedeutung von Sprache und Gestaltung für eine gelungene Inklusion – und damit dem Zusammenhang von persönlichem Beitrag und gesetzlichen Maßnahmen für eine gleichwertige Teilhabe & Representation von allen Menschen.

Der Diskussion ging eine Lesung von Thomas Edlinger voran, der aus dem gemeinsam mit Matthias Dusini geschriebenen Essay “In Anführungszeichen. Glanz und Elend der Political Correctness” las. Über die Entstehung des Begriffes in der Bürger_innenrechtsbewegung der USA ging es bald zur Frage, wie das “positiv” besetzte Inclusive Design mit der oft problematisierten Political Correctness zusammenhängt. Veronika Egger sieht den Konnex im krampfhaften Umgang, wie mit Minderheiten umgegangen wird.

Foto von Lesung
© Kollektiv Fischka

Während Inclusive Design durch seine gesetzliche Verankerung mittlerweile eine gestalterische Notwendigkeit darstellt, involviert sich Political Correctness in den persönlichen & sprachlichen Umgang mit “problematischen Themen”. In diesem Kontext stellten Oliver Kartak, Veronika Egger und Thomas Edlinger gemeinsam mit Erwin K. Bauer fest, dass der Diskurs über Minderheiten oft eine Verunsicherung hervorruft. Wichtig dabei: Wer sagt was in welchem Kontext? Was für die einen unkorrekt erscheint, ist für andere im Sinne des Empowerments wiederum wichtig.

Publikum beim Include Talk
© Kollektiv Fischka

Das Gespräch schloss mit dem affirmativen Gedanken, dass selbst durch Verfehlungen oftmals positive Veränderung möglich ist – in dem der Zweifel über Dinge explizit mitkommuniziert wird. Dieser positive Störfaktor könne wiederum ein souveränes – sprachliches, gestalterisches, wie persönliches – Handeln auf unsicherem Terrain ermöglichen.

Den Live-Mitschnitt der Diskussionrunde gibt es hier zum Nachhören!

Mobiltelefone & Mobilität: zwei Themen, die mittlerweile immer mehr Zusammenstöße generieren – auch im wortwörtlichen Sinn. Spätestens seit dem aktuellen Pokémon Go-Hype schauen immer mehr Menschen auf ihr Handy statt auf die Straße. Erste gestalterische Ansätze wollen helfen, Unfälle zu vermeiden.

Allgemein gehen wir davon aus, dass im Straßenverkehr Achtsamkeit & empathisches Vorausdenken selbstverständlich ist. Jedoch fordert der mittlerweile ebenso selbstverständliche Blick auf Mobiltelefone Veränderung in der Verkehrsplanung und der Gestaltung von öffentlichen Leitsystemen. An mehreren Orten wird an Lösungen gearbeitet, eine simple und beinahe humorvolle davon findet sich in Chongqing, China.

Zweigeteilster Gehsteig mit eigener Seite für Menschen die ihr Telefon nutzen

Auch in Augsburg werden an ausgewählten, verkehrsintensiven Standorten erste Konsequenzen aus der Häufung von Unfällen gezogen. Fußgänger_innen werden durch in den Boden integrierte Lampen darauf hingewiesen, ob eine Straße gequert werden kann – und damit in ihrer persönlichen Verantwortung unterstützt.

Frau mit Handy in der Hand blickt auf Straße mit integrierten Leuchtpunkten

Einen Schritt weiter geht Melbourne, wo das Designstudio Büro North ein Smart Tactile Paving entwickelt hat. Ähnlich einer Verkehrsampel signalisiert ein Farbsystem “Stop” & “Go” – dabei richten sich die im Boden eingelassenen Lichtlinien vor allem an Menschen mit Blick nach unten.

Büro North formuliert mit dem Projekt ihren zukunftsgestaltenden Zugang zu Design: “Rather than attempting to modify behavior by legislation or punitive laws that will ultimately prove futile, we want to make cities safer by design”. Den Blick manchmal zu heben und visionär über den Horizont zu schauen, lohnt sich also doch – auch um mehr reale Interaktionen zu generieren, als Augmented Realities es vorgeben zu tun.

Das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. ist nicht nur für die Formulierung und Ausgabe von Normen zuständig – sondern bietet Weiterbildungsmaßnahmen in Form von Seminaren, Workshops und Tagungen. Quasi direkt an der Quelle von Information – auch im Fachgebiet Barrierefreiheit!

DI Rainer Stadlbauer – einer der Architekten aus dem Team des buero bauer – hat kürzlich den Lehrgang für barrierefreies Bauen in Berlin erfolgreich absolviert. Damit ergänzt er die Expertise des Büros auf inhaltlicher Ebene noch weiter. Alle zukünftigen Projekte des buero bauer im Bereich Inclusive Orientation Design werden durch das Zertifikat DIN-geprüft professionell abgewickelt.

Bild Rainer Stadlbauer

Barrierefreiheit ist ein Arbeitsauftrag, den das buero bauer aber nicht erst mit dem Inkrafttreten des Bundes-Gleichstellungsgesetzes am 1.1.2016 in jedes Orientierungsprojekt selbstverständlich integriert. Die langjährige Expertise des Büros lässt sich in vielen bisherigen Projekten, wie dem Campus WU, anschaulich ablesen – und auf der Website auch nachlesen.

Im vierten Include-Talk diskutierten Constanze Langer, Martin Fössleitner und Florian Leiler gemeinsam mit Erwin K. Bauer über die Bereitstellung von Information an der Schnittstelle von analogem zu digitalem Raum.

Immer selbstverständlicher bewegen wir uns in physischen und digitalen Räumen, benutzen Devices zur Orientierung im realen Umfeld und verlagern soziale Interaktion zunehmend in die digitale Welt. Intuitiver Medienwechsel und selbstständige Navigation sind dabei Grundsatz des fairen Zugangs zu Räumen. Florian Leiler berichtete im Intro von einem aktuellem Projekt der Firma indoo.rs , die sich auf digitale Navigationslösungen im Innenraum spezialisiert hat. Am Flughafen San Francisco findet ihre Technologie Einsatz, die Menschen beim Zurechtfinden im Raum und beim Finden von bestimmten Zielpunkten bis auf 2m Genauigkeit Hilfe leistet. Dabei werden alle verfügbaren Sensoren auf mobilen Geräten mit verschiedenen Funksignalen kombiniert. Einen Kurzeinblick in das Projekt gibt folgendes Video.

Constanze Langer, Professorin für Interface-Design an der FH Potsdam sprach sich gegen die Bevormundung durch digitale Information aus. Diese solle zwar selbstverständlichen allen Menschen – egal mit welchem Hintergrund – zur Verfügung stehen, besonders dabei können neue Technologien hilfreich sein. Sie sieht jedoch die Gefahr, nur noch Content vorkuratiert serviert zu bekommen und nicht mehr selbst zu entdecken – oder beispielsweise in einer sozialen Interaktion von einer guten Adresse für Kaffee erzählt zu bekommen.

Informationsdesigner Martin Fössleitner von der High-Performance Gesellschaft plädierte für Geduld im Umgang mit neuen Technologien – sie seien immer schon als Bedrohung des sozialen Miteinanders aufgefasst worden, von Zeitung bis iPod. Ihr Gebrauch würde sich immer mit der Zeit naturalisieren und die humane Ebene von Informationsaustausch dennoch nicht verloren gehen. Wichtig ist ihm dabei die Balance zwischen Mensch und Maschine – und der klare Absender des Angebots oder einer Information.

In der anschließenden Diskussion wurde dabei die Notwendigkeit von guter Kommunikation hervorgehoben: diese  berücksichtigt alle räumlichen Dimensionen und stellt die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt von technischer Entwicklung und Gestaltung. Die Schnittstelle, an der zwischen analogen und digitalen Medien gewechselt wird, stellt dabei die größten Herausforderungen. Schlussendlich muss nahtlose Information gewährleistet sein, um selbst entscheiden zu können, wie viel davon in Anspruch genommen wird.

Den Talk gibt es hier exklusiv zum Nachhören!

Seit mittlerweile Jahrzehnten gibt es weltweit immer wieder Bemühungen, ein anderes Piktogramm für Barrierefreiheit zu entwickeln. Das international angewendete Icon ist gut 47 Jahre alt, stammt von der dänischen Designerin Susanne Koefoed und wurde über die Empfehlung der UN als Standard verbreitet.

Eine Guerilla Action in den USA bringt nun Bewegung in das starre Symbol eines Menschen im Rollstuhl. Mit semi-transparenten Klebern überklebt die Initiative Accessible Icon Project Schilder in Boston und vollziehen mit der dazugehörigen Petition einen Vorstoß in Richtung der Darstellung eines aktiven, dynamischen Individuums. Der Govenor von Connecticut will dieses Symbol nun ab 2017 zum Standard machen – und wenn dies gesetzlich umgesetzt wird, würde das ein längst überfälliges internationales Update des Zeichens nach sich ziehen.

➙ Jetzt die Petition Change the Sign, Change the Attitude unterzeichnen!

Der dritte Talk der INCLUDE-Diskussionreihe widmete sich dem Thema Migration mit Fokus auf die Notwendigkeit einer adäquaten Informationsvermittlung – und formulierte den Aufruf, ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln.

Ankommende Flüchtende sind oft verunsichert – Informationen fehlen, sind widersprüchlich oder nicht erkennbar.
Wie können diese klar für sie aufbereitet und ihnen damit Sicherheit vermittelt werden? Wie können Unterschiede der Herkunft, der sprachlichen Fähigkeiten und des Bildungsstandes überbrückt – und eine gleichberechtigte & selbstständige Teilnahme am gesellschaftlichen Leben geschaffen werden?

Sprecherinnen

Das Podium diskutierte die Thematik aus verschiedensten Perspektiven: Roland Verwiebe von der Universität Wien brachte aktuelle Zahlen aus der Stadtentwicklung; Alexander Tröbinger vom Roten Kreuz berichtete von tatsächlichen Herausforderungen in der Betreuung von Flüchtenden;
Asmaa Hemdan vom Österreichischen Integrationsfonds gab Einblicke in den Umgang zwischen Helfenden und Flüchenden; Katharina Benedetter von der International Organization
for Migration beschrieb Vorab-Informationsprojekte
in Transitstaaten.

Lebhafte informelle Gespräche am orientalischen Buffet verliehen dem Abend einen positiven Ausblick auf ein vielfältiges Miteinander.

Situation am Buffet

Den ganzen Talk gibt es hier exklusiv zum Nachhören!

Dots ist eine Uhr für blinde und seheingeschränkte Menschen, die gleich drei Probleme auf einmal lösen soll. Nur 1% aller Bücher werden in Braille übersetzt. Ein durchschnittliches Braille-Lesegerät kostet nach wie vor zu viel. Deswegen geben viele Menschen das Braille-Lesen auf.

Ein koreanisches Start-up Unternehmen entwickelt gerade eine Armbanduhr, deren schlichtes Design sich auf ihre tatsächliche Funktionalität konzentriert. Ausgestattet mit einer Uhr, einem Alarm und Bluetooth 4.0, ermöglicht sie durch ihre Braille-Oberfläche Navigation durch Text, Social Media, Bücher. Am Handgelenk getragen, verschafft die Dots-Uhr Informationszugang jederzeit.

➙ Mehr Informationen zur Vorbestellung des Device auf der Homepage: http://fingerson.strikingly.com

Die zweite Diskussionsrunde der Initiative Include widmete sich der wachsenden Gruppe von “alten” Menschen – und deren Wohlbefinden und selbstbestimmtem Handeln in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Hanna Mayer, Vorständin des Instituts für Pflegewissenschaften an der Uni Wien; Hieronimus Nickl vom renommierten Architekturbüro Nickl & Partner mit Fokus auf Gesundheitsbauten; und Mathias Seraphin, Leiter für Betriebsorganisation und Funktionsplanung bei der VAMED diskutierten gemeinsam mit Erwin K. Bauer, wie medizinische Mitarbeiter_innen, Planer_innen und Designer_innen konkret dazu beitragen können, kommunikative und räumliche Barrieren zu beseitigen.

Themen waren sowohl die frühe Einbindung von Bedürfnissen in den Planungsprozess, die Diskrepanz von Bedürfniserhebung und baulicher Realisierbarkeit, wie auch Praxisbeispiele aus der Pflege und aus China. Die Expert_innen eint zusammenfassend das Verständnis, älteren Menschen selbstständige Orientierung zu ermöglichen – in dem Klarheit und Anhaltspunkte gleichermaßen zur Verfügung stehen.

Den Talk gibt es hier exklusiv zum Nachhören!

Simultanübersetzung Dolmetscherin

Wir danken Frau Brück von DolmetschServicePlus und ihrer Kollegin für die simultane Übersetzung in Gebärdensprache!

Logo Dolmetschservice

Jedes Jahr markiert der 5. Mai den – kurz, den Tag der Inklusion. Auch heuer finden wieder etliche kulturelle Veranstaltungen statt, die die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Menschen adressieren und/oder thematisieren.

Eines der größten Ereignisse ist die Ausstellung “Barrierefreiheit im Kopf”, initiiert vom Verein Lifespan. In der ehemaligen Ankerbrotfabrik wird mittels Kunstwerken für die Themen Barrierefreiheit, Gleichstellung und Inklusion sensibilisiert. Mehr Informationen zur Veranstaltung finden sich auf der dazugehörigen barrierefreien Homepage.

Unter dem Motto #MuseumFürAlle bieten auch etliche Museen barrierefreie Führungen an, Informationen zu den Veranstaltungen finden sich in der Presseaussendung des Museumsbundes.