Leit- und Orientierungssysteme für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen stellen große Herausforderungen an Designer_Innen und Planer_Innen. In meiner Bachelorarbeit beschäftigte ich mich besonders mit der Thematik, wie ein barrierefreies Leitsystem sinnvoll entwickelt werden kann und gleichzeitig die Ästhetik nicht außer Acht gelassen werden muss.

Während meines Studiums interessierte mich besonders das Arbeitsfeld der Signaletik und somit das Erarbeiten von komplexen Informationssystemen. Je tiefer ich in die Thematik bei meiner Recherche für meine Bachelorarbeit vordrang, um so häufiger stolperte ich über den Begriff Barrierefreiheit. Was ist Barrierefreiheit und wer benötigt barrierefreie Leit- und Orientierungssysteme? Dieser Frage ging ich in einem theoretischen Teil nach und beantwortete sie mit einer konkreten Lösung.

Der Theorieteil meiner Arbeit beschäftigt sich mit den Ansprüchen, die vor allem sehbeeinträchtigte und blinde Menschen an ein barrierefreies Leitsystem stellen, und was sie benötigen, um sich selbstsicherer im öffentlichen Raum zu orientieren. Des Weiteren verschafft die Publikation einen komprimierten Überblick über die wichtigsten gestalterischen Grundlagen eines solchen Leitsystems. In einem Kompendium werden DesignerInnen, die schon Projekte mit dem speziellen Fokus realisiert haben, vorgestellt – und damit die Alltagspraxis von barrierefreier Gestaltung bzw. einem Beitrag von Design zu einer Welt ohne Barrieren.

Theorie- und Praxisbuch, Cover und Buchrücken
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: Kapitelübersicht: Gestaltungsrichtlinien taktiler Beschriftung.
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: Visuelle Beschriftung (Schriftgrößen).
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: So unterschiedlich kann Sehen sein, eine bedruckte Folie liegt über dem Text und simuliert eine mögliche Sehbeeinträchtigung.
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: Kapitel: So unterschiedlich kann Sehen sein, die bedruckte Simulationsfolie wird umgeschlagen.
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: Kompendium, Interview mit Ruedi Baur.

Für den praktischen Teil meiner Bachelorarbeit bin ich mit dem staatlichen Überregionalen Sonderpädagogischen Zentrum (ÜSPZ) — eine Schule für sehbehinderte und blinde, aber auch für hörbehinderte und gehörlose Kinder — eine Kooperation eingegangen, mit der Absicht für diese ein barrierefreies und international verständliches Leitsystem zu gestalten. Dieses sollte den Schüler_Innen die Möglichkeit bieten, selbstständig mobil zu bleiben und sich ohne fremde Hilfe zu orientieren. Das konzipierte, aber bisher noch nicht realisierte Leitsystem sollte für alle Nutzer_Innen barrierefrei, flexibel, fröhlich, integrationsfördernd und identitätsstiftend sein – und einen spielerischen Zugang zu Orientierungssystemen ermöglichen.

Gestaltungskonzept – Elemente
Dem ÜSPZ stand kein großes Etat für ein neues Leitsystem zur Verfügung, weswegen Elemente des alten Systems übernommen beziehungsweise modifiziert werden sollten. Kaum ein anderes System ist so flexibel und individuell adaptierbar wie das der Steckbuchstaben auf Rillengummitafeln.

Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Praxisbuch: Kapitel: Bestandsanalyse, Großaufnahme der bisher verwendeten Steckbuchstaben.

Durch die neue Form des Sechsecks und die gestalterische Differenzierung der Informationen und den daraus resultierenden Schildertypen ist es den Nutzer_Innen möglich, eine schnelle Zielort-Auswahl zu treffen. Zusätzlich ist durch das neue Leitsystem ein unkomplizierter und schneller Austausch der Informationen garantiert – was natürlich auch den Schüler_Innen einen spielerischen Umgang mit dem Leitsystem erlaubt. Allerdings mit einer Regelung: Alle Informationen haben zum ersten Schultag eines neuen Schuljahres für mindestens eine Woche wieder an Ort und Stelle zu stecken.

2D Ansicht der Gesamtübersicht mit Personen-Silhoutten.
2D Ansicht der Geschossübersicht, erstes Geschoss mit Personen-Silhouetten.

Essenz des neuen Leitsystems ist, dass sich die Lehrer_Innen und Schüler_Innen ganz aktiv mit dem System auseinandersetzen und teilweise ihre eigene Identität mit einbringen können. Lehrbeauftragte können sich innerhalb des Systems ihre Türschilder selbst gestalten. Die Schüler_Innen haben die Möglichkeit, sich ihre Spindschränke selbst zu gestalten oder können die Verantwortung für ihr Klassentürschild übernehmen, indem sie sich abwechselnd um den Austausch der altersabhängig gestalteten Piktogramme bemühen.

2D Ansicht der Türbeschilderungen mit Personen-Silhoutten.
2D Ansicht der Spintschränke mit Personen-Silhoutten. Die Spintschränke sind mit sechseckigen Modulen aus dem Leitsystem versehen, diese sind verschieden bestückt mit Namen aus Steckbuchstaben, Klassenpiktogramm und Portraits der Schüler_Innen.

Der Hauptfokus bei der Gestaltung des neuen Leitsystems ist die Barrierefreiheit. Die Informationsinhalte sind durch Pyramidenschrift und Anbringungshöhen auf hochgradig sehbeeinträchtigte Menschen angepasst. Durch die Piktogramme funktioniert die Informationsvermittlung auch sprachunabhängig. Um auch in der Farbgebung des neuen Leitsystems barrierefrei zu bleiben, habe ich mich für sechs eindeutig differenzierbare und kontrastierende Neonfarben entschieden, um zusammengehörige Informationsgruppen eindeutig erkennbar zu machen.

Nahaufnahme des Prototypen (Geschossübersicht)
Nahaufnahme des Prototypen (Geschossübersicht)
Darstellung aller entwickelten Piktogramme: Allgemein (WC, Garderobe, Speisesaal, Dusche, Arztzimmer etc.), Personal (Lehrerzimmer, Küche etc.), Unterricht/Freizeit (Comuperraum, Chemielabor, Werkraum etc.), Hortgruppen (Teddybär, Schmetterling, Vogel, Elefant), Vorschulklassen (Marienkäfer, Pinguin etc.), Vorschulklassen (Maus, Delphin, Katze etc.), Mehrstufenklassen (Sonne, Wolke, Mond), Mittelschulklassen (Sonnenbrille, Rollschuh, Ufo etc.) und Sonderschulklasse (Radio)

 „Barrierefreiheit in Leitsystemen für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen“ soll DesignerInnen zukünftig als Leitfaden für ihre Gestaltung dienen und ihnen die Angst nehmen, sich dieser Herausforderung zu stellen – und damit allen Menschen einen leichteren und fairen Zugang zu Informationen ermöglichen.

Anne Hofmann

In einer zunehmend technologisierten Welt entstehen Orientierungshilfen für blinde und seheingeschränkte Menschen, die sie immer mehr in ihrer selbstständigen Mobilität unterstützen.

So auch ein von Microsoft in Entwicklung gebrachter Kopfhörer, ausgestattet mit GPS-Tracker und Kompass: “3D Soundscape” ist ein Headset, das direkt am Kieferknochen aufgesetzt wird, damit die Ohren die Umgebungsgeräusche weiterhin wahrnehmen können. Durch Vibration wird dennoch die Information des Navigationssystems weitergegeben. Gesteuert über ein Handy und online Landkarten, können so Routen programmiert werden oder Informationen über die Umgebung abgerufen werden. Landmarks und Richtungsangaben werden durch Signaltöne vermittelt – und das gesamte Umfeld so zu einer hörbaren Landschaft.

Allen Menschen uneingeschränkten Zugang zu Information & Raum zu bieten, fordert das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz in öffentlichen Gebäuden bis Ende 2015. Höchste Zeit, die Möglichkeiten der gestalterischen Umsetzung von Normen ins Rampenlicht und aufs Diskussionspodium zu holen.

Detailbild der SprecherInnen
Publikum diskutiert beim Include Talk

Erwin K. Bauer vom buero bauer, Maria Grundner von der Mobilitätsagentur & Vorsitzende des Normungsausschusses zum Barrierefreien Planen und Bauen AG 011.05 sowie Daniela Walten von BWM Architekten  diskutierten Anfang Dezember in der Alpenmilchzentrale mit Christine Müller, der Chefredakteurin von Architektur & Bau Forum über den smarten Umgang mit Normen zur Barrierefreiheit.

Die Veranstaltung lud Architekt_innen, Planer_innen, Nutzer_innen und am Thema Interessierte, um die Herausforderungen und Vereinbarkeiten von baulichen Anforderungen, ästhetischen Umsetzungsmöglichkeiten und den unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam auszuloten. Die Stellungsnahme der Expert_innen und die offene Diskussionsrunde gibt hier es als Podcast zum Nachhören.

Publikum

Die Konklusion des Abends macht Mut, Vorgaben zu hinterfragen – und sie mitzugestalten. Gerade für visuelle Orientierungssysteme sind die Richtlinien noch recht vage definiert. Diese generell nicht als Einschränkung wahrzunehmen sondern als Chance, gibt Architektur und visueller Gestaltung von Information die Kraft zur gemeinsamen positiven Veränderung hin zu einer fairen Benutzung von Räumen.

Zum zweiten Mal fand der Inklusionstag statt: In der Messe Wien fanden am 17.11. verschiedene Einrichtungen, Expert_innen und Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen & Bedürfnissen zusammen, um in Workshops und an Infoständen Sichtweisen und Perspektiven zum Thema Inklusion auszutauschen. INCLUDE war erstmalig dabei.

Ein Mitarbeiter der Initiative klebt vor Ort Leitlinien auf

Für die halbtägige Veranstaltung haben wir temporäre Bodenleitlinien vom Inneneingang zu unserem Infostand angebracht. Das physische Beispiel aus unserer Arbeit an barrierefreien Orientierungssystemen verwies direkt auf weiterführende Informationen zum Thema.

Anne Hofmann am Messestand von Include mit Präsentationsbildschirm und Bodenleitlinien
Detailaufnahme des Messestands von Include mit Informaterial

Unser Infostand gab Auskunft zu unserer Initiative, der Möglichkeit von privat geführten Rundgängen über den Campus WU und stellte auf einem Präsentationsbildschirm verschiedene weitere Anwendungsbeispiele für Inclusive Orientation Design vor.

Eröffnung des Inklusionstages durch Moderatorin
Katharina Hölzl von Include im Gespräch mit gehörlosen Interessierten

Über 400 Besucher_innen nahmen am Inklusionstag teil. Wichtigste Möglichkeit des Austausches waren die vielen einzelnen Gespräche mit verschiedensten Interessierten – oft unterstützt durch persönliche Assistenz, wie beispielsweise einer Gehörlosendolmetscherin. Diesen gleichberechtigten Zugang zu Informationen auch an allen anderen Tagen selbstverständlich zu machen, ist die Essenz der Initiative Include.

Seit den Sommerspielen 1992 in Barcelona werden sowohl die Olympischen als auch die Paralympischen Spiele in den selben Sportstätten ausgetragen. Das „zwingt“ die Ausrichtenden, die Sportstätten bereits barrierefrei zu errichten oder kurzfristig zu adaptieren, denn ein Umbau ist in der kurzen 3-wöchigen Pause zwischen Olympischen und Paralympischen Spielen nicht möglich. Für Russland stellt sich die Frage ob Sotschi ein Leuchtturm-Projekt mit Leuchtkraft für eine ganze Nation wird, oder ob der Leuchtturm am Schwarzen Meer bald für immer erlischt?

Im Rahmen des Observers Programme des Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) hatte der Autor die Möglichkeit die Winterspiele in Sotschi zu besuchen und so hinter die Kulissen des Großevents zu blicken. In zahlreichen Workshops und Besichtigungen konnte so ein guter Eindruck von der Arbeit des Organisationskommittees gewonnen werden. Betrachtet wurde die Veranstaltung in Hinblick auf die Infrastruktur. Vorweg: Von Seiten der Offiziellen, der Athlet_innen und der Zuseher_innen war Sotschi, vor allem hinsichtlich der Barrierefreiheit ein voller Erfolg! Doch warum war die Zufriedenheit so groß?

Piktogramm Rollstuhlfahrer

Barrierefreier „Ausnahmezustand“: Paralympische Spiele
Die Paralympischen Spiele stellen an die Organisation und die Infrastruktur hohe Anforderungen. Im Vergleich zu anderen Großveranstaltungen ist hier von einem erhöhten Aufkommen von Menschen mit Behinderung auszugehen. Dies sind Athlet_innen, Zuseher_innen, Offizielle, etc. was in allen Bereichen — Transport, Verpflegung, Unterbringung, Veranstaltungsstätten, uvm. — zu berücksichtigen ist. Gängige Rechenschlüssel, wie zum Beispiel für barrierefreie Zuschauerplätze, die in der ÖNORM B 1600 vorgegeben werden, müssen daher adaptiert werden, um entsprechend viele Plätze anbieten zu können. Die Zuständigen des IPC haben in diesem Bereich große Erfahrungswerte und somit ein hohes Maß an Wissen angesammelt, welches gerne im Vorfeld an die künftigen Ausrichtenden weitergegeben wird. Das sichert die Qualität und den reibungslosen Ablauf der Paralympischen Spiele. War in den Anfangsjahren die Betrachtung nur auf die Veranstaltungsstätten limitiert, so wurde früh erkannt, dass die Planung einer inklusiven Umwelt vor allem in den Austragungsstätten von großer Bedeutung ist. So wird der Standard für die Bevölkerung vor Ort gehoben und ein breites Publikum kann an der Veranstaltung teilnehmen. Plakativ formuliert, wird mit der Betrachtungen beim Aussteigen auf die Fluggastbrücke begonnen und endet beim Sitzplatz in der Arena.

Barrierefreiheit und Qualitätsmanagement
Wichtig ist es, diese Betrachtungsweise auch in kleinerem Maßstab bei jeder anderen Veranstaltung oder jedem Bauprojekt anzuwenden. Beeindruckt hat vor Ort das Qualitätsmanagement bereits in der Planungs- und Bauphase der neu zu errichtenden Infrastrukturmaßnahmen. Viel Erfahrung und Know-How konnte von den Paralymics in London übernommen werden. Es wurden Strukturen entwickelt die im Speziellem das Qualitätsmanagement hinsichtlich Barrierefreiheit im Auge hatten. Für jedes Projekt war eine Person für die Einhaltung der Standards verantwortlich. Diese wurden sowohl in der Planungsphase als auch in der Bauphase regelmäßig überprüft. Denn die Erfahrung zeigt, dass es nicht ausreicht Planer_innen an die geltenden technischen Standards zu binden.

Planung und Kosten
Das Wissen um die richtige Planung und Ausführung ist nicht immer gegeben oder die geltenden Standards kommen schlichtweg nicht zur Anwendung. Die Überprüfung bereits im Planungsstadium sichert einen hohen Qualitätsstandard. Zudem ist dann der Kostenanteil für barrierefreie Planung im Vergleich zu den anfallenden Gesamtkosten vernachlässigbar gering!

Barrierefreier „Umgangston“ und Schulung
Neben der „Hardware“ muss auch die „Software“ optimiert werden. Bei Veranstaltungen ist man oft auf organisatorische Maßnahmen angewiesen, um bestimmten Personengruppen Hilfestellung zu ermöglichen. Gerade die unterstützende „Software“, wie Volunteers, Kassapersonal, uvm. ist enorm wichtig für den richtigen Umgang mit Personen mit Behinderung und dem Gelingen der Veranstaltung. Auf die Schulung und Sensibilisierung des Personals wurde daher großer Wert gelegt. Die Transportpersonal wurde vor den Olympischen Spielen, und als Auffrischung auch vor den Paralympischen Spielen, im Umgang mit Personen mit Behinderung geschult. Alle Fahrenden wurde in der Bedienung der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel unterwiesen und konnte allfällige kleine Reparaturen selbst durchführen.

Barrierefreie Anreise
Für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung ist ein gut organisierter Transport aller Beteiligten essentiell. Dies gilt für die Anreise ins Austragungsland, den Transport in die Austragungsstadt, den Transport zu den Sportstätten sowie dem allgemeinen Transport in der Austragungsstadt. Für Sotschi wurden die möglichen Einreiserouten zum Event untersucht und mit den Flughäfen in Moskau und Adler die zwei Haupteinreiserouten definiert. Die Flughäfen wurden demnach in Zusammenarbeit mit internationalen Experten auf ihre Barrierefreiheit geprüft und in einem mehrstufigen Verfahren Mängel und Verbesserungsvorschläge sowie deren Umsetzungszeitraum festgelegt.

Golfcart als Transportmittel für Rollstuhlfahrer

PKW- und Bus-Transport
Der weitere Transport wurde zum Hauptteil mittels Bussen bewerkstelligt. Im Zuge der Paralympics standen hierfür 963 Busse auf 72 Routen, 166 Minibusse und eine PKW-Flotte zur Verfügung. Die Busse wurden aus der Region Moskau, aus Tatarstan und St. Petersburg zusammengezogen. Unterscheidbar waren diese neben den unterschiedlichen Bustypen auch durch das unterschiedlich farbige Branding. Beachtlich aus Sicht der Barrierefreiheit ist die enorme Zahl an Bussen und Minibussen mit Rollstuhlplätzen: 327 Busse mit je 1 Rollstuhlplatz, 70 Busse mit je 3 Rollstuhlplätzen, 30 Busse mit je 5 Rollstuhlplätzen zum Mannschaftstransport, 72 Minibusse mit je 3 Rollstuhlplätzen und 22 Minibusse mit je 1 Rollstuhlplatz. In der kurzen 3-wöchigen Pause zwischen Olympischen Spielen und Paralympics wurde eine große Anzahl von Bussen von 3 Rollstuhlplätzen auf 5 Rollstuhlplätze umgebaut. Das notwendige Material sowie Personal war vor Ort, um den Umbau rasch durchzuführen. Die Erfahrung der Verantwortlichen ist, dass bei den Einstiegshilfen vorzugsweise wartungsextensive mechanische Systeme zur Anwendung kommen sollten, da bei einem Ausfall eine schnelle Reparatur essentiell ist, um Engpässen beim Transport vorzubeugen.

Transport im Olympischen Park
Im Olympischen Park, im Coastal Cluster, kamen auf Grund des weitläufigen Geländes adaptierte Golfcarts zum Einsatz. Die Zuschauer_innen wurden von verschiedenen Haltstellen am Gelände zu den einzelnen Sportstätten chauffierten. Das Angebot stand nicht nur Personen mit Rollstuhl zur Verfügung, sondern auch anderen Personengruppen wie z. B. Senior_innen, sodass eine Vielzahl von diesem Service profitierte. Eine Besonderheit stellte der Transport im Mountain Cluster (Ski und Nordische Bewerbe) dar. Erschlossen mittels zweier barrierefreier Seilbahnen mit einer Beförderungskapazität von 2.000 Personen pro Stunde. Die Kabinen waren auch für Rollstuhlfahrer_innen ausgelegt. Von der Bergstation wurden die Menschen mit Behinderung dann mittels Shuttleservice zu Drop-Off-Points im Nahbereich der Sportstätten gebracht.

Orientierung im Olympischen Park
Bei der Orientierung im Olympischen Park wurden blinde Menschen von Volunteers unterstützt. Das weitläufige Gelände und die langen Distanzen von den Eingängen des Geländes zu den Sportstätten, die Sicherheitskontrollen und andere Hindernisse waren in dieser Art schnell und ohne sich zu verirren zu bewerkstelligen. Für sehbehinderte wurde ein optisch und taktiles Bodenleitsystem installiert. Dieses führte von den Eingängen, zur Plaza mit dem Olympischen Feuer und dann weiter zu den Sportstätten. Die drei in gelber Farbe aufgebrachten Kaltplastiklinien waren gut zu ertasten und mit dem entsprechenden Kontrast zum Unterboden auch visuell gut erkennbar. Überdimensionale Pylone bildeten sowohl für das Bodenleitsystem als auch für die visuelle Orientierung die Abzweigpunkte zu den Sportstätten. Information wurde auf diesen temporär errichteten Informationsträger rein visuell dargeboten. Auf taktile Information wurde verzichtet. Internationale und nationale Experten empfahlen den Transportservice für blinde Zuschauer_innen. Wichtige Gestaltungselemente wie Schriftgröße, Schriftart oder Positionierung der Information am Informationsträger wurden großteils gut gelöst. Lediglich das Farbleitsystem offenbarte ein Problem, das oftmals auftritt: Bei vielen unterschiedlichen Zielen ist die Anzahl der klar unterscheidbaren Farben begrenzt. Zudem kommt, dass die Farben in einem eindeutigen Kontrast zum Hintergrund stehen müssen, um die Lesbarkeit zu gewährleisten. So wurde im Fall einer Sportstätte für das Leitsystem die unzulässige Farbkombination von Weiß und Gelb gewählt.

Detailaufnahme Pylon
Pylon mit Leitlinie

Orientierung mittels elektronischer Hilfsmittel
In Sotschi installierte man die „sprechende Stadt“. In Kooperation mit der All Russia Association of the Blind, wurde ein elektronisches System entwickelt, dass Blinde und Sehbehinderte bei der Orientierung unterstützt. Dabei werden an Gebäudeeingängen, Busstationen, Bussen, etc. Radiotransmitter angebracht, die orts- und objektspezifische Informationen aussenden. Befindet sich die sehbehinderte oder blinde Person im Sendebereich des Transmitters, erhält sie auf ihren Empfänger ein Hinweissignal auf dieses Objekt. Durch bestätigen des Signals kann die Information abgerufen werden. So z. B. „Bus 5 in Richtung Olympischer Park fährt ein“ oder „Sie befinden sich am Eingang zum Olympischen Park“. Dieses orts- und objektspezifische Orientierungssystem kam in Sotschi an Ampeln, Busstationen und in Bussen zum Einsatz und wird ebenfalls in den öffentlichen Verkehrsmitteln in St. Petersburg eingesetzt. Systeme ähnlicher Art, die auf unterschiedlichsten Sende- und Empfangstechnologien basieren, werden in den letzten Jahren vermehrt untersucht und auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Spannend ist welche Technologien sich auf längere Sicht behaupten werden.

Über den Schnee wandeln
Die barrierefreie Erschließung der Sportstätten im Freien stellte eine große Herausforderung dar. Die Wege von den Drop-Off-Points im Mountaincluster zu den barrierefreien Plätzen, den Bereichen für Athlet_innen und Presse wurden als Stegsystem oberhalb der Schneedecke errichtet. Das „venezianische Hochwasserwegenetz“ konnte von allen Personengruppen mit Behinderung unabhängig ihrer Akkreditierung und Funktion genutzt werden. Unüblich bei Großevents wie diesem, mit verschiedensten Sicherheitszonen und Akkreditierungen, jedoch sinnvoll, da so eine Optimierung des Wegenetzes erfolgte. Das Stegsystem wurde direkt am Boden und nicht auf der Schneedecke aufgestellt, um Setzungen zu vermeiden. Mit einem speziell ausgewählten rutschhemmenden Gummibelag belegt, konnte das Stegsystem leicht von Schnee und Eis gereinigt werden und war so permanent nutzbar. Auch für Sehbehinderte und Blinde, da die Stege an den Seiten hochgezogen wurden, um so eine Orientierung mit dem Blindenstock zu ermöglichen. Der Hochzug sowie der Gummibelag waren kontrastierend ausgeführt. Neben den Tribünenplätzen wurde auf diese Weise sämtliche Serviceinfrastruktur, wie z. B. Sanitäreinheiten, erschlossen. Selbst Observer aus Norwegen, der „Langlaufgroßmacht“, waren begeistert vom hohen Standard der barrierefreien Erschließung für alle Personengruppen.

Fazit
Aus Sicht der Barrierefreiheit war Sotschi 2014 eine gelungene Veranstaltung. Ob die hervorragenden Planungsmaßnahmen auch andere russische Regionen erreichen werden, bleibt offen. Fest steht jedoch, dass eine intensive Betrachtung des Themas und ein entsprechendes Qualitätsmanagement bei jeder Planung erforderlich ist. Eine Zusammenfassung der Maßnahmen für die Barrierefreiheit für Sotschi 2014 kann im unter diesem Link heruntergeladen werden.

Der Stadtmarketing Austria Praxistag zum Thema „Barrierefreiheit in Einzelhandel und Tourismus“, welcher am 12. Juni in Hall in Tirol stattfand, stieß auf großes Interesse seitens der österreichischen Citymanager_innen und Tiroler Unternehmerschaft. Es handelt sich dabei um ein Thema, das aber nicht nur den 60 Teilnehmer_innen der Tagung unter den Nägeln brennt: Bis 1. 1. 2016 wird Barrierefreiheit von öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten gesetzlich gefordert. Bei Verstößen kann von den Betroffenen Schadenersatz wegen Diskriminierung gefordert werden.

Die Referent_innen, darunter Behindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger und Architektin DI Ursula Spannberger, thematisierten die große Bandbreite des Begriffs „Barriere“, welcher allzu oft auf die bauliche Gestaltung von Räumlichkeiten reduziert wird. Aber nicht nur Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, sondern auch seh- oder hörbehinderte, geistig oder psychisch eingeschränkte Personen stoßen in ihrem alltäglichen Leben häufig auf Barrieren. All diese Personengruppen machen in Österreich ca. 20% der Bevölkerung aus. Erwin Buchinger führte anschaulich und kompetent durch die geltende Gesetzeslage, die eine Übergangsfrist für barrierefreie Maßnahmen für öffentlich zugängliche Orte und Gebäude bis Ende 2015 vorsieht.

Ursula Spannberger brachte positive und negative Beispiele aus dem Stadtraum und dem Innenraum von öffentlichen Gebäuden, Hotels und Geschäften, die von den anwesenden Mitgliedern des Behindertenbeirats der Stadt Hall zusätzlich kommentiert und bewertet wurden. An der Fülle der nicht geglückten Umsetzungen, die teilweise in gutem Glauben erfolgten, ist zu erkennen, welche Wissenslücken hier immer noch bestehen. Es gibt nur wenige so uneingeschränkt und umfassend gelungene Maßnahmen wie das Leitsystem der neuen Wirtschaftsuniversität in Wien.

Mag.a Petz von der Austrian Accessibility Academy Linz und JKU Linz (Institut Integriert Studieren) stellte in ihrem Beitrag zur „eAccessiblity“ die Kriterien barrierefreier Homepages und Web-Inhalte in den Mittelpunkt. Das Thema „Barrierefreiheit im Tourismus“ wurde von Mag.a (FH) Gleirscher (Tirol Werbung GmbH) behandelt: mit der Initiative Tirol barrierefrei hat die Tirol Werbung eine Plattform ins Leben gerufen, welche einen umfassenden Zugriff auf barrierefreie Urlaubs- und Freizeitangebote ermöglicht. Im Vortrag erläuterte Frau Gleirscher, welche Qualitätskriterien solche Angebote erfüllen müssen und was bei Qualitätsüberprüfungen barrierefreier Unterkünfte zu beachten ist.

Mag.a Inga Horny, Präsidentin des Dachverbandes Stadtmarketing Austria, rät den UnternehmerInnen, umgehend Maßnahmen in Richtung barrierefreie Räumlichkeiten, Leitsysteme und Webinhalte einzuleiten. Ein erster Schritt könnte z. B. darin bestehen, Behindertenorganisationen zu einer Begehung der Firmenräumlichkeiten einzuladen und/oder die Unternehmens-Webseite auf deren eAccessibility testen zu lassen. Dass in vielen Städten aus angeblichen Denkmalschutzgründen Umbauten verhindert werden, ist für die Referent_innen nicht nachvollziehbar und stellt sich letztlich oft als Gerücht heraus: es sollte das Prinzip „zuerst der Mensch, dann der Stein“ gelten. Beim abschließenden Rundgang durch die Innenstadt von Hall wurde an vielen konkreten Beispielen erläutert, wie Barrierefreiheit auch in denkmalgeschützten Bereichen realisiert werden kann. Bereits im kommenden Jahr, kann man die Beispiele, die sich derzeit in Realisierung befinden, selbst erleben. Ihre Umsetzung wird vom Behindertenbeirat, in dem alle erforderlichen Expertisen vertreten sind, begleitet.

Bildnachweis und Rückfragen: Stadtmarketing Austria, Eva Demelmair, MA; Münzgasse 1/2, 5020 Salzburg, +43/662/845453-16, office@stadtmarketingaustria.at

Eishockeyspieler auf Rollen
Eishockeyspieler bei den Paralympischen Spielen Sotschi, entdeckt von Florian Szeywerth
Imbissbude mit Schild zu
Roll-Sandwich mit Rollstuhlrampe in Sotschi, entdeckt von Florian Szeywerth
Häuschen mit Rampe
Mit Rollstuhlrampe ausgestattetes Klohäuschen in einem Wald von Schweden, entdeckt von Katharina Hölzl
Rollstuhlpiktogramm auf einem Parkplatz, mit unpassierbarem Zaun dahinter
Barrierefreier Seezugang? – Entdeckt von Katharina Hölzl in Schweden
Zugang für Rollstuhlfahrer_innen direkt in das Wasser hinein
Tatsächlich barrierefreier Seezugang in Schweden, entdeckt von Katharina Hölzl

Im Juni 2014 hat das buero bauer ihr jährliches Sommerfest gefeiert, und dabei zu delightful food und drinks in the dark geladen. Einer der Arbeitsräume in der weitläufigen Alpenmilchzentrale wurde dabei zu einem „Darkroom“ umgebaut, in dem von Mitarbeiter_innen des Dialog im Dunkeln Wein ausgeschenkt wurde. Die vollständig abgedunkelte Bar war eine Einladung an die Gäste, Gewohntes unter ungewöhnlichen Bedingungen neu zu erfahren und wahrzunehmen. Wie schmeckt Wein ohne Farbe? Was höre ich im Gespräch ohne die Mimik des Gegenübers? Wie spüre ich den Raum ohne sichtbare Grenzen? Und wie nachhaltig hat das die Besucher_innen beeindruckt? Wir haben nachgefragt.

Christoph Loidl
Bildnerischer Erzieher, Leiter der Produktionsschule Salzkammergut, seheingeschränkt durch eine Rethinopathia pigmentosa

Hast du den Darkroom mit einem bestimmten Vorwissen betreten?
Ich habe gewusst, dass es im Darkroom stockdunkel ist und man dort von blinden Menschen geführt wird.

Was hat dich am meisten neugierig gemacht?
Da ich aufgrund meiner Nachtblindheit in der Dunkelheit ohnehin nichts/schlecht sehe, habe ich für mich persönlich keine grossen Erwartungen gehabt. Interessant war für mich eher, wie es wohl sein wird, wenn alle anwesenden Personen nichts sehen können.

Wie wurde deine Wahrnehmung herausgefordert: Was hast du gehört, gefühlt,…? Wie hat z.b. der Wein geschmeckt?
Wie schon oben erwähnt, bin ich es durch meine Sehbehinderung gewohnt, den Fokus auf meine übrigen Sinne zu legen. Somit wurde meine Wahrnehmung nicht mehr oder weniger gefordert als sonst. Aber eins konnte ich ohne zweifel feststellen: Der Wein war gut!

Wie hast du dein eigenes Verhalten und das anderer in der neuen Umgebung wahrgenommen? —> Stimme, Gespräche, Körperhaltung, Bewegungen…
Ich habe mich selbst sehr wohl gefühlt und mich meiner eigenen Wahrnehmung nach sehr souverän im Darkroom bewegt (für mich ist es völlig normal ein Glas an der Bar zu ertasten…), habe aber bei vielen anderen doch gemerkt, dass mit dem Verlust des Sehens, auch eine gewisse Unsicherheit in der Kommunikation mit fremden Personen einherging. Meiner Erfahrung nach ist der erste Eindruck eines fremden Menschen ein ganz anderer, wenn nur eine Stimme erfasst wird.

Wie hast du den Kontrast zwischen dem Dunkel & der hellen Festumgebung danach empfunden?
Die ersten Momente waren sehr unangenehm. Es war witzig im Nachhinein die Gesichter der Gesprächspartner_innen zu sehen (die Vorstellung hat nicht die Realität getroffen…).

Hat dich die Situation weiter beschäftigt, wie denkst du jetzt darüber?
Nicht wirklich! Es war eine Erfahrung, aber ich verbiete mir selbst zu viele Gedanken an ein Leben ohne Licht zu verschwenden

Woran erinnerst du dich am stärksten? Hast du ein Bild / Ton / Geschmack etc. / Eindruck vor Augen?
Das Vogelgezwitscher! Hat sich aufgedrängt, eingeprägt und auch irritiert! Hat die Situation surreal erscheinen lassen und die Wahrnehmung des Raumes stark beeinträchtigt.

Tomáš Dabrowski
Ehem. Sozialbetreuer für Behindertenarbeit, Student Philosophie & Ernährungswissenschaft, Barchef

Hast du den Darkroom mit einem bestimmten Vorwissen betreten?
Dass es diese Art von Gastronomie bereits länger gibt und es nun wohl sehr dunkel wird.

Was hat dich am meisten neugierig gemacht?
Ob das Schwarz auch richtig schwarz sein wird. War es im übrigen nicht oder zumindest in meiner Wahrnehmung nicht: rund um mich sah ich immer wieder irritierende weiße Blitze im Augenwinkel, wie ein weißer Nebel rund um mich. Mir wurde später erklärt, dass mein Gehirn diese “Ausgleichshandlung” quasi vortäuschte, um mir zu signalisieren: alles in Ordnung, dein Sehsinn funktioniert eigentlich noch!

Wie wurde deine Wahrnehmung herausgefordert: Was hast du gehört, gefühlt,…? Wie hat z.b. der Wein geschmeckt?
Der Wein schmeckte intensiver als unter sichtbaren Verhältnissen! Ich saß an einem Tisch mit einigen buero bauer Mitarbeiter_innen und je nach Stimmpräsenz waren diese gefühlt näher bzw. weiter weg als sie tatsächlich waren. Durch die Kombination von Ventilatoren, heißer Luft und Mobiliar dachte ich die ganze Zeit, ich sitze bei einem Heurigen in Südamerika.

Wie hast du dein eigenes Verhalten und das anderer in der neuen Umgebung wahrgenommen? —> Stimme, Gespräche, Körperhaltung, Bewegungen…
Ja, also wie bereits erwähnt die Landkarte in meinem Kopf wurde durch die Präsenz der Akteur_innen an meinem Tisch gezeichnet. Die Gespräche drehten sich zum großen Teil um die Situation, Wahrnehmung etc. Meine Körperhaltung und die ausgehenden Bewegungen waren alle wohl durchdacht und sehr langsam, tastend – wollte ich weder mich selbst, die anderen sowie die Gläser gewissermaßen schützen.

Wie hast du den Kontrast zwischen dem Dunkel & der hellen Festumgebung danach empfunden?
Der Moment des Wiedersehens – ungefähr so stelle ich mir meine Geburt vor: viel zu hell, jedoch mit extrem hässlichen ausgeblichenen Farben, fremde Menschen schauen dich erwartungsvoll an und sind gespannt auf eine erste Reaktion.

Hat dich die Situation weiter beschäftigt, wie denkst du jetzt darüber?
Mich hat v.a. die Farbigkeit in den ersten Momenten danach noch länger erstaunt. Im Nachhinein denke ich mir, dass wir uns während des Konsums von Speis und Trank manchmal bewusster auf diese fokussieren sollten.

Woran erinnerst du dich am stärksten? Hast du ein Bild / Ton / Geschmack etc. / Eindruck vor Augen?
Eben erwähntes geburtsähnliches Erlebnis.

Dialog im Dunkeln Mitarbeiter in der Bar

Robert Kropf
Gründer der a-list, schreibt über Lifestyle-Themen, Kulinarik und Wein

Hast du den Darkroom mit einem bestimmten Vorwissen betreten?
Ein klein wenig Vorwissen hatte ich schon. Ich habe Dinner in the Dark schon mal in Hamburg besucht, und vor einigen Jahren wurde ich zu einer Whiskeyverkostung eingeladen, die von Blinden geführt wurde und auch in einem Dark Room stattfand.

Was hat dich am meisten neugierig gemacht?
Die Verkostung. Und: hat das buero bauer-Team den Raum wirklich ganz ganz ganz dunkel hinbekommen? Wie wird sich der Raum anfühlen, den ich vorher schon mal im Licht gesehen habe.

Wie wurde deine Wahrnehmung herausgefordert: Was hast du gehört, gefühlt,…? Wie hat z.b. der Wein geschmeckt?
Die ersten Minuten war die Herausforderung nicht all zu groß, weil die Aufregung und die Lautstärke im Raum die Sensorik nicht geschärft hat. Danach völliger Raumgrößenverlust (ähnlich wie in einem Salzwassertank). Größtes Herausforderung war mit Sicherheit die völlige Nichteinschätzbarkeit von Abständen. Weinverkosten ist an sich schon eine nicht ganz leichte Sache, auch die größten Kapazunder versagen da regelmäßig bei Blindverkostungen. Im dunkten Raum, bei einer quasi Doppelt-Blindverkostung und ohne Einsatz der Augen war es für mich ganz schwer, Weine zu erkennen.

Wie hast du dein eigenes Verhalten und das anderer in der neuen Umgebung wahrgenommen? —> Stimme, Gespräche, Körperhaltung, Bewegungen…
Bei mir und auch bei allen anderen habe ich den verzweifelten Versuch wahrgenommen, Orientierung durch viel Reden herzustellen (passiert im “normalen” Leben ja auch). Wie Fledermäuse, die hoffen, dass der zurückkommende Schall irgendwas über Entfernungen aussagt. Völlig sinnlos, natürlich. Sprache wurde lauter, Körperhaltungen sind eher eingefroren, Slow Motion. Probelm war nicht so sehr die Dunkelheit, sondern die unmittelbare Umgebung. Find ich mein Glas überhaupt nochmals, wenn ich es hinstelle?

Wie hast du den Kontrast zwischen dem Dunkel & der hellen Festumgebung danach empfunden?
Unspekatulär durch Aufmerksamkeitsumkehr. Draussen wurde so aufgeregt erzählt über drinnen, dass der Kontrast Nebensache war.

Hat dich die Situation weiter beschäftigt, wie denkst du jetzt darüber?
Wenn keine Orientierung da ist, hilft Reden auch nix!

Woran erinnerst du dich am stärksten? Hast du ein Bild / Ton / Geschmack etc. / Eindruck vor Augen?
Suchen mit der Hand nach dem Abstand zu Glas und Mund.