Der Stadtmarketing Austria Praxistag zum Thema „Barrierefreiheit in Einzelhandel und Tourismus“, welcher am 12. Juni in Hall in Tirol stattfand, stieß auf großes Interesse seitens der österreichischen Citymanager_innen und Tiroler Unternehmerschaft. Es handelt sich dabei um ein Thema, das aber nicht nur den 60 Teilnehmer_innen der Tagung unter den Nägeln brennt: Bis 1. 1. 2016 wird Barrierefreiheit von öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten gesetzlich gefordert. Bei Verstößen kann von den Betroffenen Schadenersatz wegen Diskriminierung gefordert werden.

Die Referent_innen, darunter Behindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger und Architektin DI Ursula Spannberger, thematisierten die große Bandbreite des Begriffs „Barriere“, welcher allzu oft auf die bauliche Gestaltung von Räumlichkeiten reduziert wird. Aber nicht nur Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, sondern auch seh- oder hörbehinderte, geistig oder psychisch eingeschränkte Personen stoßen in ihrem alltäglichen Leben häufig auf Barrieren. All diese Personengruppen machen in Österreich ca. 20% der Bevölkerung aus. Erwin Buchinger führte anschaulich und kompetent durch die geltende Gesetzeslage, die eine Übergangsfrist für barrierefreie Maßnahmen für öffentlich zugängliche Orte und Gebäude bis Ende 2015 vorsieht.

Ursula Spannberger brachte positive und negative Beispiele aus dem Stadtraum und dem Innenraum von öffentlichen Gebäuden, Hotels und Geschäften, die von den anwesenden Mitgliedern des Behindertenbeirats der Stadt Hall zusätzlich kommentiert und bewertet wurden. An der Fülle der nicht geglückten Umsetzungen, die teilweise in gutem Glauben erfolgten, ist zu erkennen, welche Wissenslücken hier immer noch bestehen. Es gibt nur wenige so uneingeschränkt und umfassend gelungene Maßnahmen wie das Leitsystem der neuen Wirtschaftsuniversität in Wien.

Mag.a Petz von der Austrian Accessibility Academy Linz und JKU Linz (Institut Integriert Studieren) stellte in ihrem Beitrag zur „eAccessiblity“ die Kriterien barrierefreier Homepages und Web-Inhalte in den Mittelpunkt. Das Thema „Barrierefreiheit im Tourismus“ wurde von Mag.a (FH) Gleirscher (Tirol Werbung GmbH) behandelt: mit der Initiative Tirol barrierefrei hat die Tirol Werbung eine Plattform ins Leben gerufen, welche einen umfassenden Zugriff auf barrierefreie Urlaubs- und Freizeitangebote ermöglicht. Im Vortrag erläuterte Frau Gleirscher, welche Qualitätskriterien solche Angebote erfüllen müssen und was bei Qualitätsüberprüfungen barrierefreier Unterkünfte zu beachten ist.

Mag.a Inga Horny, Präsidentin des Dachverbandes Stadtmarketing Austria, rät den UnternehmerInnen, umgehend Maßnahmen in Richtung barrierefreie Räumlichkeiten, Leitsysteme und Webinhalte einzuleiten. Ein erster Schritt könnte z. B. darin bestehen, Behindertenorganisationen zu einer Begehung der Firmenräumlichkeiten einzuladen und/oder die Unternehmens-Webseite auf deren eAccessibility testen zu lassen. Dass in vielen Städten aus angeblichen Denkmalschutzgründen Umbauten verhindert werden, ist für die Referent_innen nicht nachvollziehbar und stellt sich letztlich oft als Gerücht heraus: es sollte das Prinzip „zuerst der Mensch, dann der Stein“ gelten. Beim abschließenden Rundgang durch die Innenstadt von Hall wurde an vielen konkreten Beispielen erläutert, wie Barrierefreiheit auch in denkmalgeschützten Bereichen realisiert werden kann. Bereits im kommenden Jahr, kann man die Beispiele, die sich derzeit in Realisierung befinden, selbst erleben. Ihre Umsetzung wird vom Behindertenbeirat, in dem alle erforderlichen Expertisen vertreten sind, begleitet.

Bildnachweis und Rückfragen: Stadtmarketing Austria, Eva Demelmair, MA; Münzgasse 1/2, 5020 Salzburg, +43/662/845453-16, office@stadtmarketingaustria.at