Oder auch universelles Design, ist ein internationales und marktorientiertes Design-Konzept, dass seinen Ursprung in den USA hat. Sämtliche Produkte, Umgebungen, Prozesse und Dienstleistungen, die nach diesem Konzept gestaltet wurden sind, können von vielen Menschen ohne weitere Anpassungen oder Spezialisierung genutzt werden.

Jeder Mensch ist der Mittelpunkt seines eigenen Universums, für jeden Menschen kreist die Welt um diese Wahrnehmung.

Cay von Fournier

Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Um-Welt und somit ist Orientierung immer individuell. Erst durch die Wahrnehmung der Umwelt entsteht eine persönliche Sicht auf die Dinge. Dies wiederum führt dazu, dass jeder Mensch in einer ganz eigenen und individuelle Welt lebt. Die Menge der Informationen, die einen Menschen umgibt, wird an das Gehirn weitergeleitet und von dort prozentual auf die Sinnesorgane verteilt. Über das Sehen werden nahezu 75 % aller Informationen aufgenommen. Über das Hören 12 % und das Tasten 7 %. Die Relevanz des Sehsinns ist ein Erbe unserer früheren Vorfahren: Das Sehen ermöglicht es, Gefahren aus großer Entfernung zu erkennen.

 

Christian Lunger, Markus Scheiber: Orientierung auf Reisen. Touristische Leitsysteme, DOM publishers, Berlin 2009, Seite 25.

Leitsysteme führen mittels Wegweisern zu den einzelnen Zielorten, die Wegeführung vom Eingang bis zum gesuchten Ziel und natürlich wieder zurück zum Ausgang. Der Begriff wird im Sprachgebrauch meistens mit Beschilderung gleichgesetzt.

Das Zusammenspiel unzähliger Faktoren bestimmt den Grad an Lesbarkeit, von unlesbar bis optimal. Wie dieses Zusammenspiel zu messen ist, ist eine bisher ungelöste Frage.

Jan Filek

Es kann keine endgültige Aussage getroffen werden welche Schrift und Schrifttyp für einen besseren Lesefluss geeignet ist. Neben unzähligen Faktoren, die den Grad der Lesbarkeit bestimmen kommt es auch immer auf die Lesegewohnheiten des Lesenden an. Allgemein gesagt werden kann, dass eine Schrift, egal ob diese für ein Leit- und Orientierungssystem oder für ein anderes Medium eingesetzt wird, ästhetisch, funktional und in den Kontext des zu realisierenden Projektes passen sollte. In erster Linie darf sie neugierig auf den Inhalt machen; die Chance, dass die Leser_innen die Inhalte dann eher lesen, ist nicht widerlegt, aber zu mindestens gegeben.

Auswahlkriterien

Es gibt verschiedene Kriterien, die bei der Schriftsuche beziehungsweise Schriftwahl für ein Informationssystem sehr dienlich sein können:

1) Die Buchstaben einer Schrift sollten sich deutlich voneinander unterscheiden
2) Die Buchstabeninnenräume (Punzen) sollten groß und offen sein
3) Eine große x-Höhe kann für die Lesbarkeit einer Schrift ebenfalls entscheidend sein.

Wichtig, im Speziellen bei Informationssystemen für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung ist, dass die Zielgruppe im Vorfeld mit ihren Lesegewohnheiten, ihrer Motivation und ihrer persönlichen Lesefähigkeit genauestens untersucht wird, um anschließend eine gestalterische Lösung zu finden, die für alle zufriedenstellend ist.

Die x-Höhe
Sven Neumann hat sich 2011 in seiner Bachelorarbeit mit der Leserlichkeit von Schrift im öffenltichen Raum beschäftigt. In dieser Studie hat er neun Schriften auf ihre Versal- und x-Höhen verglichen. Dabei konnte er folgendes nachweisen: Das Verhältnis von 67 bis 69% zwischen Versal- und x-Höhe beeinflusst die Leserlichkeit einer Schrift entscheidend. Schriften, die auf eine gleiche Versalhöhe skaliert wurden und deren x-Höhe größer als 69% waren, konnten aus weiter Entfernung besser gelesen werden als Schriften, die mit einer größeren Versalhöhe auf eine gleiche x-Höhe skalierte wurden. Eine große x-Höhe gewährleistet eine gute Lesbarkeit – zu groß sollte sie nicht ausfallen, damit sich die Buchstaben mit ihren Ober- und Unterlängen noch gut voneinander unterscheiden können. Eine gute Faustregel könnte also lauten:

Die x-Höhe muss in einem maßvollen Verhältnis zur Versalhöhe stehen.

Jan Filek

 

Die Buchstaben
Eine ideale Buchstabenform sollte den Grundformen entsprechen, aber gleichzeitig charakteristische Eigenschaften aufweisen. So ist laut Ralf Hermann eine Schrift gut lesbar und unterscheidet sich deutlich von anderen.

 

DIN Norm 1450
‚Schriften — Leserlichkeit‘ (Download 85,20 € / Versand 90 €)
Die überarbeitete DIN Norm 1450 beschreibt die Leserlichkeit von Texten im öffentlichen Raum mit Berücksichtigung der Bedürfnisse von Älteren und sehbeeinträchtigten Menschen.

ÖNORM A 6015
‚Schriften; serifenlose Linear-Antiqua; Druckschriften für Beschriftungen‘ (Download 84 € / Versand 105 €)

Der Begriff wayfinding wurde von Kevin Lynch in seinem 1965 erschienenen Buch The Image of the City geprägt. Der Begriff bezeichnet die Fähigkeit sich in einer (unbekannten) Umgebung anhand von Sinneseindrücken und Hinweisen aus der näheren Umgebung zurecht zu finden.

Wayshowing bezeichnet die Planung und Gestaltung von Orientierungshilfen.
Im Gegensatz dazu benennt der Begriff Wayfinding die Tätigkeit, wie wir unseren Weg in unbekannten Umgebungen finden, um an unser Ziel zu gelangen. Um mit Hilfe eines Orientierungssystems diesen Prozess positiv unterstützen und Hilfestellungen geben zu können, benötigt es vorab eine Beschäftigung mit der räumlichen Umgebung und den Bedürfnissen der Nutzer_innen.

Wayshowing and wayfinding relate to each other like writing and reading.Wayshowing precedes and enables wayfinding.

Per Mollerup

Oder Design für Alle, ist ein europäisches Gestaltungskonzept, das als soziales Engagement gilt. Es beschäftigt sich damit, Produkte für Alle zu schaffen und bezieht dabei alle möglichen Beeinträchtigungen der NutzerInnen mit ein. In diesem Konzept steht das individuelle Recht jedes Einzelnen im Vordergrund, denn jeder soll die Möglichkeit des Zugangs zu einem Gebäude, einem Service oder einem Produkt haben.

Ermöglichen blinden und seheingeschränkten Personen Orientierung in einem Gebäude oder Areals durch eine tastbare, dreidimensionale Darstellung des Ortes. Die einzelnen Gebäudeteile, Wege und Ziele sind erhaben und mit ebenso tastbarer Pyramiden- bzw. Brailleschrift beschriftet. Statt Farben werden fühlbare Schraffuren zur Unterscheidung eingesetzt.

Entsprechend unseres Aufenthaltsorts, Vorkenntnis oder Art der Fortbewegung verfolgen Menschen unterschiedliche Ansätze und Strategien um an das gewünschte Ziel zu kommen. Hierbei kann auch grob zwischen drei Arten der Suche unterschieden werden:

• Der Weg zu einer bekannten Destination
• Die Erkundungsstreifzug
• Der Weg zu einer unbekannten Destination

Per Mollerup hat neun unterschiedliche Strategien festgemacht, die Suchende während ihres Weges zum Ziel einsetzen. In der Praxis verfolgt man jedoch nie nur eine Strategie. Meist wird eine Mischung aus den verschiedenen Strategien angewandt:

Track following
In den meisten Fällen folgt man hier Hinweisen wie Richtungswegweisern in Gebäuden oder Straßenschildern und Verkehrszeichen.

Route following
Diese Strategie ähnelt der des Track following mit dem Unterschied, dass sich die Hinweise nicht am Weg befinden, sondern man die Informationen zum Weg vorab mündlich oder auch schriftlich bekommt und sich diese einprägen muss.

Educated seeking
Bei dieser Methode verlässt man sich auf bisher Gelerntes und Erfahrungswerte und wendet diese in unbekannten Situationen an.

Inference
Diese Strategie orientiert sich an logisch aufgebauten Systematiken wie Hausnummern, Raumnummern oder Gebäudebezeichnungen, die auf sequentiellen, numerischen oder alphanumerischen Benennungen basieren.

Screening
Hier wird die Umgebung systematisch nach Informationen abgesucht. Diese können Hinweise auf das angestrebte Ziel sein, aber auch Hinweise auf einen möglichen Weg, von dem aus eine erneute Orientierung möglich ist.

Aiming
Hierbei bewegt man sich auf etwas schon Wahrgenommenes zu. Die Bewegung kann direkt oder indirekt erfolgen.

Map reading
Mit einer Karte oder einem Stadtplan bekommt man vorab und während des Weges einen Überblick über ein Stadtquartier, welche besonderen Punkte sich dort in der Umgebung des gewünschten Ziels befinden und welche Wege dorthin führen.

Compassing
Bei dieser Methode bedient man sich der Himmelsrichtungen um ein Ziel zu finden. Das setzt allerdings voraus, dass man die relative Entfernung zum Ziel einschätzen und von eigenen Standpunkt aus die Himmelsrichtungen bestimmen kann.

Social navigation
Orientierung kann auch anhand des Verhaltens anderer gelernt werden. Bilden mehrere Menschen an einem Schalter oder an einer Kassa eine Schlange, so werden neu hinzukommende Personen sich auch in diese einreihen.

 

Je intuitiver die Architektur bzw. Topographie eines Ortes erfahrbar ist, desto weniger sind Hinweise durch ein Leit- und Orientierungssystem nötig. Wichtige Einrichtungen sollen trotzdem auf den ersten Blick erkennbar sein. Die Kennzeichnung eines Infopoints zeigt einen Auskunftsort an, wo neben Informationsbeschriftungen auch persönliche Unterstützung angeboten wird.