Zukünftige Wegweiser für blinde Menschen werden aktuell in England getestet. Sogenannte beacons (engl. für Blinklicht oder Leuchtturm) sollen demnächst mittels Bluetooth-Technologie sowie der entsprechenden Hard- und Software Orientierung im Raum ermöglichen.

Das RLSB (Royal London Society for Blind People) hat gemeinsam mit dem Studio ustwo die App wayfindr konzipiert, die blinde und sehbehinderte Nutzer_innen mit den Beacons verknüpft und ihnen bei selbstständiger Navigation hilft.

Erste vielversprechende Tests gab es bereits in der Londoner Tube, wie dieses Video zeigt:

Die zweite Diskussionsrunde der Initiative Include widmete sich der wachsenden Gruppe von “alten” Menschen – und deren Wohlbefinden und selbstbestimmtem Handeln in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Hanna Mayer, Vorständin des Instituts für Pflegewissenschaften an der Uni Wien; Hieronimus Nickl vom renommierten Architekturbüro Nickl & Partner mit Fokus auf Gesundheitsbauten; und Mathias Seraphin, Leiter für Betriebsorganisation und Funktionsplanung bei der VAMED diskutierten gemeinsam mit Erwin K. Bauer, wie medizinische Mitarbeiter_innen, Planer_innen und Designer_innen konkret dazu beitragen können, kommunikative und räumliche Barrieren zu beseitigen.

Themen waren sowohl die frühe Einbindung von Bedürfnissen in den Planungsprozess, die Diskrepanz von Bedürfniserhebung und baulicher Realisierbarkeit, wie auch Praxisbeispiele aus der Pflege und aus China. Die Expert_innen eint zusammenfassend das Verständnis, älteren Menschen selbstständige Orientierung zu ermöglichen – in dem Klarheit und Anhaltspunkte gleichermaßen zur Verfügung stehen.

Den Talk gibt es hier exklusiv zum Nachhören!

Simultanübersetzung Dolmetscherin

Wir danken Frau Brück von DolmetschServicePlus und ihrer Kollegin für die simultane Übersetzung in Gebärdensprache!

Logo Dolmetschservice

Talk No. 2

19. Mai 2015
Schwarze Piktogammdarstellung auf grünem Hintergrund. Älterer Mensch sitzend mit Stock in der Hand, stehende helfende Frau dahinter

Orientierung & Information in Gesundheitsbauten

Diskussionsrunde in der AMZ, Weyringergasse 36, 1040 Wien, ab 18.30 Uhr

Im Jahr 2030 wird jede vierte Person in Österreich über 65 ­Jahre alt sein, in Deutschland sogar fast jede dritte. Besonders im ­Gesundheitsbereich wird es immer wichtiger, diese ­wachsende Gruppe individuell zu versorgen. Neben der medizinischen ­Betreuung in Kliniken und Pflege­einrichtungen trägt die ­räumliche Gestaltung und das Informations­design wesentlich zu Wohlbefinden und selbstbestimmtem Handeln bei.

Was können medizinische MitarbeiterInnen, PlanerInnen und DesignerInnen konkret beitragen, kommunikative und räumliche Barrieren zu beseitigen? Welche zukunftsweisenden Strategien gibt es?

Es diskutieren:
Hanna Mayer
Hieronimus Nickl
Mathias Seraphin

Moderation
Erwin K. Bauer

Im Anschluss freuen wir uns auf weitere Gespräche bei Wein und Snacks!

Anmeldung unter office@include-initiative.org

 

Die ExpertInnen

Hanna Mayer, diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester, Studium der Pädagogik, Professorin für Pflegewissenschaft, seit 2007 Vorständin des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Wien, mit den Arbeitsschwerpunkten onkologische und gerontologische Pflege, Dozentin für Pflegewissenschaft und- forschung im In-und Ausland, Autorin zahlreicher Fachpublikationen und Lehrbücher im Bereich Pflegeforschung.

 

Hieronimus Nickl studierte bis 2003 Architektur im Diplomstudiengang an der FH Erfurt. 2008 schloss er ein MBA-Studium, International Hospital and Healthcare Management, mit einem Masterabschluss an der Frankfurt School of Finance & Management Bankakademie, ab.

Bereits 2003 trat er in die Nickl & Partner Architekten AG ein, und ist seit 2005 als Projekt- und Teamleiter,
mit Spezialisierung auf internationale Projekte, tätig. Ausgewählte Projekte seiner Arbeit sind das Multifunktionale Medizinische Zentrum in St. Petersburg,
das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Krankenhaus Anapa in Russland und das Shenyang Hospital No 8. in China.

Mathias Seraphin kam von der Architektur (Diplom Universität Karlsruhe TH, Promotion TU München) zur Betriebsorganisationsplanung. Er ist seit 1987 in verschiedenen Architektur- und Beratungsbüros in der Krankenhausplanung tätig. Seit 2009 leitet Dr. Seraphin die Abteilung für Betriebsorganisations- und Funktionsplanung der VAMED Standortentwickung und Engineering GmbH CoKG. Vom Standort Wien aus entwickelt und begutachtet er europaweit Konzepte für VAMED-Projekte im Gesundheitswesen.

Jedes Jahr markiert der 5. Mai den – kurz, den Tag der Inklusion. Auch heuer finden wieder etliche kulturelle Veranstaltungen statt, die die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Menschen adressieren und/oder thematisieren.

Eines der größten Ereignisse ist die Ausstellung “Barrierefreiheit im Kopf”, initiiert vom Verein Lifespan. In der ehemaligen Ankerbrotfabrik wird mittels Kunstwerken für die Themen Barrierefreiheit, Gleichstellung und Inklusion sensibilisiert. Mehr Informationen zur Veranstaltung finden sich auf der dazugehörigen barrierefreien Homepage.

Unter dem Motto #MuseumFürAlle bieten auch etliche Museen barrierefreie Führungen an, Informationen zu den Veranstaltungen finden sich in der Presseaussendung des Museumsbundes.

Mühsam, während der Radtour immer wieder abzusteigen und die Route zu überprüfen? Oder schon einmal das eigene Rad nach dem Absperren nicht in der Masse gefunden? smrtGrips ist eine vibrierende Navigationshilfe, die über die Fahrradlenker Signale weitergibt. Über Bluetooth verbindet sich die Elektronik mit dem Smartphone und führt sogar den Weg zu “befreundeten” Fahrrädern in der Nähe. Das Projekt wird momentan über Crowdfunding verwirklicht!

Leit- und Orientierungssysteme für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen stellen große Herausforderungen an Designer_Innen und Planer_Innen. In meiner Bachelorarbeit beschäftigte ich mich besonders mit der Thematik, wie ein barrierefreies Leitsystem sinnvoll entwickelt werden kann und gleichzeitig die Ästhetik nicht außer Acht gelassen werden muss.

Während meines Studiums interessierte mich besonders das Arbeitsfeld der Signaletik und somit das Erarbeiten von komplexen Informationssystemen. Je tiefer ich in die Thematik bei meiner Recherche für meine Bachelorarbeit vordrang, um so häufiger stolperte ich über den Begriff Barrierefreiheit. Was ist Barrierefreiheit und wer benötigt barrierefreie Leit- und Orientierungssysteme? Dieser Frage ging ich in einem theoretischen Teil nach und beantwortete sie mit einer konkreten Lösung.

Der Theorieteil meiner Arbeit beschäftigt sich mit den Ansprüchen, die vor allem sehbeeinträchtigte und blinde Menschen an ein barrierefreies Leitsystem stellen, und was sie benötigen, um sich selbstsicherer im öffentlichen Raum zu orientieren. Des Weiteren verschafft die Publikation einen komprimierten Überblick über die wichtigsten gestalterischen Grundlagen eines solchen Leitsystems. In einem Kompendium werden DesignerInnen, die schon Projekte mit dem speziellen Fokus realisiert haben, vorgestellt – und damit die Alltagspraxis von barrierefreier Gestaltung bzw. einem Beitrag von Design zu einer Welt ohne Barrieren.

Theorie- und Praxisbuch, Cover und Buchrücken
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: Kapitelübersicht: Gestaltungsrichtlinien taktiler Beschriftung.
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: Visuelle Beschriftung (Schriftgrößen).
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: So unterschiedlich kann Sehen sein, eine bedruckte Folie liegt über dem Text und simuliert eine mögliche Sehbeeinträchtigung.
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: Kapitel: So unterschiedlich kann Sehen sein, die bedruckte Simulationsfolie wird umgeschlagen.
Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Theoriebuch: Kompendium, Interview mit Ruedi Baur.

Für den praktischen Teil meiner Bachelorarbeit bin ich mit dem staatlichen Überregionalen Sonderpädagogischen Zentrum (ÜSPZ) — eine Schule für sehbehinderte und blinde, aber auch für hörbehinderte und gehörlose Kinder — eine Kooperation eingegangen, mit der Absicht für diese ein barrierefreies und international verständliches Leitsystem zu gestalten. Dieses sollte den Schüler_Innen die Möglichkeit bieten, selbstständig mobil zu bleiben und sich ohne fremde Hilfe zu orientieren. Das konzipierte, aber bisher noch nicht realisierte Leitsystem sollte für alle Nutzer_Innen barrierefrei, flexibel, fröhlich, integrationsfördernd und identitätsstiftend sein – und einen spielerischen Zugang zu Orientierungssystemen ermöglichen.

Gestaltungskonzept – Elemente
Dem ÜSPZ stand kein großes Etat für ein neues Leitsystem zur Verfügung, weswegen Elemente des alten Systems übernommen beziehungsweise modifiziert werden sollten. Kaum ein anderes System ist so flexibel und individuell adaptierbar wie das der Steckbuchstaben auf Rillengummitafeln.

Aufgeschlagene Doppelseite aus dem Praxisbuch: Kapitel: Bestandsanalyse, Großaufnahme der bisher verwendeten Steckbuchstaben.

Durch die neue Form des Sechsecks und die gestalterische Differenzierung der Informationen und den daraus resultierenden Schildertypen ist es den Nutzer_Innen möglich, eine schnelle Zielort-Auswahl zu treffen. Zusätzlich ist durch das neue Leitsystem ein unkomplizierter und schneller Austausch der Informationen garantiert – was natürlich auch den Schüler_Innen einen spielerischen Umgang mit dem Leitsystem erlaubt. Allerdings mit einer Regelung: Alle Informationen haben zum ersten Schultag eines neuen Schuljahres für mindestens eine Woche wieder an Ort und Stelle zu stecken.

2D Ansicht der Gesamtübersicht mit Personen-Silhoutten.
2D Ansicht der Geschossübersicht, erstes Geschoss mit Personen-Silhouetten.

Essenz des neuen Leitsystems ist, dass sich die Lehrer_Innen und Schüler_Innen ganz aktiv mit dem System auseinandersetzen und teilweise ihre eigene Identität mit einbringen können. Lehrbeauftragte können sich innerhalb des Systems ihre Türschilder selbst gestalten. Die Schüler_Innen haben die Möglichkeit, sich ihre Spindschränke selbst zu gestalten oder können die Verantwortung für ihr Klassentürschild übernehmen, indem sie sich abwechselnd um den Austausch der altersabhängig gestalteten Piktogramme bemühen.

2D Ansicht der Türbeschilderungen mit Personen-Silhoutten.
2D Ansicht der Spintschränke mit Personen-Silhoutten. Die Spintschränke sind mit sechseckigen Modulen aus dem Leitsystem versehen, diese sind verschieden bestückt mit Namen aus Steckbuchstaben, Klassenpiktogramm und Portraits der Schüler_Innen.

Der Hauptfokus bei der Gestaltung des neuen Leitsystems ist die Barrierefreiheit. Die Informationsinhalte sind durch Pyramidenschrift und Anbringungshöhen auf hochgradig sehbeeinträchtigte Menschen angepasst. Durch die Piktogramme funktioniert die Informationsvermittlung auch sprachunabhängig. Um auch in der Farbgebung des neuen Leitsystems barrierefrei zu bleiben, habe ich mich für sechs eindeutig differenzierbare und kontrastierende Neonfarben entschieden, um zusammengehörige Informationsgruppen eindeutig erkennbar zu machen.

Nahaufnahme des Prototypen (Geschossübersicht)
Nahaufnahme des Prototypen (Geschossübersicht)
Darstellung aller entwickelten Piktogramme: Allgemein (WC, Garderobe, Speisesaal, Dusche, Arztzimmer etc.), Personal (Lehrerzimmer, Küche etc.), Unterricht/Freizeit (Comuperraum, Chemielabor, Werkraum etc.), Hortgruppen (Teddybär, Schmetterling, Vogel, Elefant), Vorschulklassen (Marienkäfer, Pinguin etc.), Vorschulklassen (Maus, Delphin, Katze etc.), Mehrstufenklassen (Sonne, Wolke, Mond), Mittelschulklassen (Sonnenbrille, Rollschuh, Ufo etc.) und Sonderschulklasse (Radio)

 „Barrierefreiheit in Leitsystemen für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen“ soll DesignerInnen zukünftig als Leitfaden für ihre Gestaltung dienen und ihnen die Angst nehmen, sich dieser Herausforderung zu stellen – und damit allen Menschen einen leichteren und fairen Zugang zu Informationen ermöglichen.

Anne Hofmann

Der VCÖ hat in einer aktuellen Publikation Notwendigkeiten und Empfehlungen für eine selbstbestimmte Mobilität von älteren Personen zusammengestellt. Dass in einer immer älter werdenden Gesellschaft Barrierefreiheit und ein verständliches Angebot an Orientierungshilfen eine immer wichtigere Rolle spielen, lässt sich im Factsheet nachlesen!

➙ Link zum Artikel

In einer zunehmend technologisierten Welt entstehen Orientierungshilfen für blinde und seheingeschränkte Menschen, die sie immer mehr in ihrer selbstständigen Mobilität unterstützen.

So auch ein von Microsoft in Entwicklung gebrachter Kopfhörer, ausgestattet mit GPS-Tracker und Kompass: “3D Soundscape” ist ein Headset, das direkt am Kieferknochen aufgesetzt wird, damit die Ohren die Umgebungsgeräusche weiterhin wahrnehmen können. Durch Vibration wird dennoch die Information des Navigationssystems weitergegeben. Gesteuert über ein Handy und online Landkarten, können so Routen programmiert werden oder Informationen über die Umgebung abgerufen werden. Landmarks und Richtungsangaben werden durch Signaltöne vermittelt – und das gesamte Umfeld so zu einer hörbaren Landschaft.

Allen Menschen uneingeschränkten Zugang zu Information & Raum zu bieten, fordert das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz in öffentlichen Gebäuden bis Ende 2015. Höchste Zeit, die Möglichkeiten der gestalterischen Umsetzung von Normen ins Rampenlicht und aufs Diskussionspodium zu holen.

Detailbild der SprecherInnen
Publikum diskutiert beim Include Talk

Erwin K. Bauer vom buero bauer, Maria Grundner von der Mobilitätsagentur & Vorsitzende des Normungsausschusses zum Barrierefreien Planen und Bauen AG 011.05 sowie Daniela Walten von BWM Architekten  diskutierten Anfang Dezember in der Alpenmilchzentrale mit Christine Müller, der Chefredakteurin von Architektur & Bau Forum über den smarten Umgang mit Normen zur Barrierefreiheit.

Die Veranstaltung lud Architekt_innen, Planer_innen, Nutzer_innen und am Thema Interessierte, um die Herausforderungen und Vereinbarkeiten von baulichen Anforderungen, ästhetischen Umsetzungsmöglichkeiten und den unterschiedlichen Bedürfnissen gemeinsam auszuloten. Die Stellungsnahme der Expert_innen und die offene Diskussionsrunde gibt hier es als Podcast zum Nachhören.

Publikum

Die Konklusion des Abends macht Mut, Vorgaben zu hinterfragen – und sie mitzugestalten. Gerade für visuelle Orientierungssysteme sind die Richtlinien noch recht vage definiert. Diese generell nicht als Einschränkung wahrzunehmen sondern als Chance, gibt Architektur und visueller Gestaltung von Information die Kraft zur gemeinsamen positiven Veränderung hin zu einer fairen Benutzung von Räumen.

Include Talk #1

2. Dezember 2014

Allen Menschen uneingeschränkten Zugang zu Information & Raum zu bieten, ist bis Ende 2015 in allen öffentlich zugänglichen Bauten sicherzustellen. Wie lässt sich dieser Anspruch gestalterisch im Einklang mit den Normen umsetzen? Wie werden alle Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen erreicht? Wer entscheidet über die Qualität der Ergebnisse?

Diskussion in der Alpenmilchzentrale, ab 18.30 Uhr
Über den smarten Umgang mit Normen zur Barrierefreiheit

Erwin K. Bauer / buero bauer – Gesellschaft für Orientierung und Identität mbH
Maria Grundner / Mobilitätsagentur
Daniela Walten / BWM Architekten

Moderation: Christine Müller / Architektur & Bau Forum

Im Anschluss bitten wir zu Wein & Maroni!
Anmeldung unter office@include-initiative.org
Weyringergasse 34/1, 1040 Wien

Für einen barrierefreien Zugang bitte um Anruf unter +43 1 504 48 18