Das Zusammenspiel unzähliger Faktoren bestimmt den Grad an Lesbarkeit, von unlesbar bis optimal. Wie dieses Zusammenspiel zu messen ist, ist eine bisher ungelöste Frage.

Jan Filek

Es kann keine endgültige Aussage getroffen werden welche Schrift und Schrifttyp für einen besseren Lesefluss geeignet ist. Neben unzähligen Faktoren, die den Grad der Lesbarkeit bestimmen kommt es auch immer auf die Lesegewohnheiten des Lesenden an. Allgemein gesagt werden kann, dass eine Schrift, egal ob diese für ein Leit- und Orientierungssystem oder für ein anderes Medium eingesetzt wird, ästhetisch, funktional und in den Kontext des zu realisierenden Projektes passen sollte. In erster Linie darf sie neugierig auf den Inhalt machen; die Chance, dass die Leser_innen die Inhalte dann eher lesen, ist nicht widerlegt, aber zu mindestens gegeben.

Auswahlkriterien

Es gibt verschiedene Kriterien, die bei der Schriftsuche beziehungsweise Schriftwahl für ein Informationssystem sehr dienlich sein können:

1) Die Buchstaben einer Schrift sollten sich deutlich voneinander unterscheiden
2) Die Buchstabeninnenräume (Punzen) sollten groß und offen sein
3) Eine große x-Höhe kann für die Lesbarkeit einer Schrift ebenfalls entscheidend sein.

Wichtig, im Speziellen bei Informationssystemen für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung ist, dass die Zielgruppe im Vorfeld mit ihren Lesegewohnheiten, ihrer Motivation und ihrer persönlichen Lesefähigkeit genauestens untersucht wird, um anschließend eine gestalterische Lösung zu finden, die für alle zufriedenstellend ist.

Die x-Höhe
Sven Neumann hat sich 2011 in seiner Bachelorarbeit mit der Leserlichkeit von Schrift im öffenltichen Raum beschäftigt. In dieser Studie hat er neun Schriften auf ihre Versal- und x-Höhen verglichen. Dabei konnte er folgendes nachweisen: Das Verhältnis von 67 bis 69% zwischen Versal- und x-Höhe beeinflusst die Leserlichkeit einer Schrift entscheidend. Schriften, die auf eine gleiche Versalhöhe skaliert wurden und deren x-Höhe größer als 69% waren, konnten aus weiter Entfernung besser gelesen werden als Schriften, die mit einer größeren Versalhöhe auf eine gleiche x-Höhe skalierte wurden. Eine große x-Höhe gewährleistet eine gute Lesbarkeit – zu groß sollte sie nicht ausfallen, damit sich die Buchstaben mit ihren Ober- und Unterlängen noch gut voneinander unterscheiden können. Eine gute Faustregel könnte also lauten:

Die x-Höhe muss in einem maßvollen Verhältnis zur Versalhöhe stehen.

Jan Filek

 

Die Buchstaben
Eine ideale Buchstabenform sollte den Grundformen entsprechen, aber gleichzeitig charakteristische Eigenschaften aufweisen. So ist laut Ralf Hermann eine Schrift gut lesbar und unterscheidet sich deutlich von anderen.

 

DIN Norm 1450
‚Schriften — Leserlichkeit‘ (Download 85,20 € / Versand 90 €)
Die überarbeitete DIN Norm 1450 beschreibt die Leserlichkeit von Texten im öffentlichen Raum mit Berücksichtigung der Bedürfnisse von Älteren und sehbeeinträchtigten Menschen.

ÖNORM A 6015
‚Schriften; serifenlose Linear-Antiqua; Druckschriften für Beschriftungen‘ (Download 84 € / Versand 105 €)